Wie viel Verzicht ist ein gerettetes Leben wert?

Abstand halten, Beschränkungen hinnehmen und dafür auch noch Verständnis zeigen?

Ethik und Moral sind zwei ungleiche Brüder.

Inspiriert durch den Artikel “Bin ich ein schlechter Mensch, wenn mir in der Corona-Krise ein normales Leben wichtiger ist als die Gesundheit anderer?” von Josh Groevenwald im Business-Insider

Ist es vernünftig, ein Leben zu retten und dadurch tausende Arbeitsplätze zu gefährden?

Mit welchen psychologischen und wirtschaftlichen Folgeschäden aufgrund des aktuellen Risiko-Managements werden wir uns in den nächsten Monaten und Jahren noch herumschlagen müssen?

Moralische Werte sind grundsätzliche Verhaltensregeln, die von einem Großteil der Gesellschaft befürwortet werden.

Moralisches Handeln in Zeiten von Corona

So würde wohl niemand bestreiten, dass es moralisch vertretbar sei, eine Gesichtsmaske zu tragen, um Menschenleben zu retten – unabhängig von der funktionalen Sinnhaftigkeit.

Werden von der Bevölkerung allerdings Maßnahmen eingefordert, die tief in deren Privatleben vordringen und ihren persönlichen Handlungsspielraum massiv einschränken, dann hört bei vielen das Verständnis für die Notwendigkeit dieser sozialen Fesseln schnell auf. Der Blick aufs große Ganze bleibt den meisten Menschen oftmals verschlossen und daher beurteilen sie die Lage nur auf Grundlage des schmalen Lichtstrahls, der zwischen ihren Scheuklappen durchscheint.

Jetzt kommt die Ethik ins Spiel und damit wird es kompliziert.

Denn die Ethik befasst sich übergeordnet mit unterschiedlichen Fachbereichen der Moral und versucht Moralpsychologie, Moralsoziologie, Moraltheologie und auch moralisches Wirtschaften symbiotisch unter einen Hut zu bringen, damit das soziale Gefüge einer Zivilgesellschaft nicht heterogenisiert. Selbstverständlich sind unsere Berufspolitiker in diesen Punkten heillos überfordert. Sie können nur auf die aktuelle Situation reagieren und müssen anschließend den eingeschlagenen Kurs entweder rechtfertigen oder berichtigen – dies hängt in erster Linie von der Persönlichkeit des jeweiligen Volksentscheiders ab.

Sind drei Monate soziale Isolation für Kleinkinder und Senioren ein angebrachtes Mittel, um ein paar hundert Leben vor den tödlichen Folgen des Virus zu beschützen?

Diese Frage erinnert mich an das moralische Gedankenexperiment mit der Straßenbahn, nur dass die einzelne Person am Nebengleis jetzt die eigene Mutter oder der eigene Großvater ist.

Reine Panikmache – Es sterben doch auch ohne Corona jedes Jahr viele tausend Menschen!

Das herabstufende Vergleichen von Statistiken über Sterberaten durch Hunger, Umweltverschmutzung, Verkehrsunfälle oder zyklisch wiederkehrende Krankheitswellen ist im Fall der hochinfektiösen Covid-19-Pandemie nicht nur völlig unangebracht, es ist zudem höchst beleidigend gegenüber den wenigen Menschen, die hier und jetzt tatsächlich vom Virus betroffen sind.

Jetzt sind wir als Gesellschaft gefordert. Wir alle. Jeder einzelne von uns.

Gesunder Egoismus ist gut und wichtig, solange andere nicht darunter leiden – oder sogar sterben müssen. Dies ist eine wichtige Grundlage der Psychologie und der Philosophie zum Wohle des einzelnen Menschen und einer Gemeinschaft. Das Leben wird auf jeden Fall weitergehen und wenn eines Tages ein Medikament oder Impfstoff gefunden wurde, dann wird das derzeitige Verhalten rückblickend nochmals neu bewertet werden. Und dies zieht vermutlich gewaltige Änderungen im Verständnis für das Zusammenleben der Menschen nach sich.

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