Meditation, Wut und Technik

Auch Meditieren will gelernt sein

Als ich vor etwa einem Jahr begann, mir Lauras Seilers Podcasts anzuhören, hatte ich die Meditationen immer übersprungen, da ich damit nicht viel anzufangen wußte. Das entspannen fiel mir nicht leicht, die Gedanken nicht zu bewerten ein Ding der Unmöglichkeit. Bei den Visualisierungen hatte ich immer nur Ausschnitte von Kinofilmen vor meinem dritten Auge, und selbst dieses stellte ich mir wie jenes eines häßlichen Zyklopen vor.

Erst jetzt, da ich in der Lage bin in mich zu gehen, liebe ich die geführten Meditationen von Laura. Vor kurzem hörte ich die “Meditation für mentale Stärke und erhöhtes Bewusstsein” vom Jänner, und ich muss sagen, mir als Techniker gefiel die Vorstellung, in die Rolle eines Forschers zu schlüpfen und einen Gedanken oder ein Gefühl in seine Einzelteile zu zerlegen und zu untersuchen. Als Forschungsobjekt kam mir spontan das Gefühl von Wut gegenüber jenen Personen, die scheinbar grundlos ständig viel unnötigen Lärm verursachen. Sei es nun eine Tätigkeit, ein Gespräch oder auch nur übertrieben lautes, verbal unterstütztes Niesen.

Werde der Stille hinter dem Lärm gewahr

Ich hatte nun dieses Gefühl in der Hand und betrachtete es von allen Seiten. Als ich von oben draufsah und meine Hand öffnete, war da plötzlich dieses winzig kleine trotzige Kind. Es strampelte mit Händen und Füßen und schnitt dabei Grimassen, aus denen man seine Hilflosigkeit spüren konnte. Diesem Kind scheint die einzige Möglichkeit zu sein, beachtet zu werden, indem es lautstark auf sich aufmerksam macht.

Da ist schon was Wahres dran. Ein derartiges Verhalten als Rücksichtslosigkeit, Ignoranz oder gar Dummheit abzuwerten wäre zwar der einfache Weg, aber nicht die Lösung des Problems. Und darum geht es: Das Problem muss gelöst werden um sich seiner entledigen zu können. Dass Dummheit laut ist, bewahrheitet sich vereinzelt im Benehmen und in den Aussagen gewisser Leute. Rücksichtslosigkeit und Ignoranz sind vereinzelt eingesetzte Kompensationswerkzeuge von Leuten mit geringem Selbstbewusstsein, aber das ständige Bestreben danach, Lärm zu verursachen, ist wohl in erster Linie als Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit zu interpretieren. Und um Hilfe muss laut schließlich geschrien werden, damit man auch gehört wird.

Ich kann zwar nicht behaupten, dass mein Ärger und meine Wut auf lärmende Mitmenschen in Mitgefühl für deren verkorkste Situation umgeschlagen ist, aber es hilft mir, hinter die Fassade zu blicken und dort das kleine trotzige Kind im Kontrollraum des großen lärmenden Körpers zu sehen.

Das technologisierte Leben

Auch wenn ich jetzt, zurückblickend auf mein bisheriges Leben, bei einem neuen Versuch sehr vieles anders machen würde, so muss ich doch zugeben, dass ich meine technische Ausbildung und jahrelange Berufserfahrung nicht missen möchte.
Auch wenn ich jetzt nicht mehr aktiv als Elektrotechniker arbeite, da ich einfach die geänderten Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptieren konnte, war und ist die Technik nach wie vor ein wichtiger Teil in meinem Leben. Einerseits hilft mir das Wissen, viele Dinge besser zu verstehen, da ich eine Ahnung davon habe, was sich im Hintergrund abspielt. Als “Generalist”, der von allem ein wenig aber von nichts im Detail etwas versteht, finde ich mich in unserem hochtechnologisiertem Lebensumfeld leichter zurecht als die meisten Mitmenschen.

Andererseits leide ich aber auch unter der Berufskrankheit, mir über mögliche Gefahren bereits Gedanken zu machen, bevor überhaupt noch eine Bedrohung besteht. Hier trägt auch meine hochsensorische Sensibilität ihren Teil dazu bei, in kurzen Augenblicken sehr viel mehr an Eindrücken und Informationen über die jeweiligen Situationen zu sammeln und auszuwerten. Was in manchen (beruflichen) Bereichen von Vorteil ist um für den Notfall gerüstet zu sein, verhindert aber auch, den Alltag unbeschwert zu genießen. Da das Gehirn ständig gefordert ist, alles in der Umgebung aufzunehmen, zu analysieren und eine Vielzahl an möglichen Auswegen zu erdenken, wirke ich nach außen hin manchmal energie- und anteilnahmslos. Gestresst, wenig belastbar also. Was man aber nicht sehen kann ist, dass ich in Wirklichkeit in nur wenigen Stunden gedanklich weit mehr aufnehme und verarbeite, als “normale” Leute den ganzen Tag über.
Jeder, der sich mal mit dem Thema HSP auseinander gesetzt hat, weiß wie schwer es unsereins fällt, sich in die moderne Arbeitswelt einzugliedern und das gesellschaftliche Normverhalten zu imitieren.

Ich fand dazu mal dieses Video auf Youtube, in dem Etienne in den ersten 15 Minuten wunderbar erzählt, was selbst bei normalen Alltagssituationen so alles in einem abläuft. Bei mir ist das ganz genauso! Empfehlenswert sind auch die anderen Videos, in denen Etienne auf seine eigene Art seine Gedanken preisgibt.

Vielen Dank !

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *