Great Voices – Gänsehaut

Kennt ihr auch das gute Gefühl, wenn ihr einen Song hört, euch dabei Wellen der Begeisterung durch den Körper laufen und ihr auch noch eine Gänsehaut bekommt?

Damit ich nicht immer, wenn ich in Stimmung bin, lange nach diesen gänsehautverursachenden Liedern suchen muss, habe ich die Playlist Great Voices – Gänsehaut auf Youtube begonnen und möchte euch um Mithilfe ersuchen, diese zu erweitern.

 

Die Vocal Range, also der zur Verfügung stehende Tonlagenbereich der menschlichen Stimme, ist zwar ein Talent, aber um es voll zur Geltung zu bringen, bedarf es auch eines geeigneten Liedes mit eindringlichem Rhythmus.

Obwohl Luciano Pavarottis Stimme etwas mehr als zwei Oktaven umfasste, konnte er sein Talent als Tenor nur selten so richtig zur Geltung bringen, da ihm die tiefen und ganz hohen Töne aufgrund der strengen Unterteilung bei Opernarien in Bass, Bariton, Tenor und Alt meistens nicht erlaubt waren. Im Laufe der Zeit stellte sich die Stimme auf den Bereich von C#3 bis F5 ein. Zumindest konnte er in seiner Tonlage ein Volumen in die Stimme legen wie kaum ein anderer. Dies lag aber nicht an seiner Körperfülle, denn selbst in jungen Jahren, als er noch etliche Kleidergrößen schlanker war, konnte er bereits mit seinem Stimmvolumen Gänsehaut verursachen.

Am oberen Ende des Stimmenspektrums findet sich Maria Callas wieder. Als Sopranistin, also die höchst mögliche Frauenstimmlage, waren ihr bei den Auftritten wiederum die tiefen Töne vorenthalten. Sie schaffte es aber hervorragend, in die hohen Töne so viel Stimmung und Gefühl mit einzubringen, dass selbst Glas vor Begeisterung zerbarst.

Eine der großartigesten Stimmen der Vergangenheit gehört zweifellos zu Shirley Bassey. Und eines jener Lieder, indem sie ihr gesamtes Stimmspektrum kraftvoll zum Einsatz bringen kann, ist “Where Do I Begin”. Dieses Lied entstand 1970 für den ebenfalls großartigen Spielfilm “Love Story”.

Von Aretha Franklin stammt die in der Playlist zu findende Version von “I Say A Little Prayer”. Ursprünglich 1966 für die damit sehr erfolgreiche Dionne Warwick geschrieben, sollte dieser Song die Sorgen der Frauen für ihre, im Vietnam-Krieg dienenden Männer, zum Ausdruck bringen. Dieser Song wurde über die Jahre hinweg von den unterschiedlichesten Interpreten aufgegriffen und in verschiedene Sprachen übersetzt. Ich finde die 1968 aufgenommene Version von Aretha Franklin am kraftvollsten.

Mit der Soul-Diva Whitney Houson ist das so eine Sache: Einerseits bewies sie mit Hits wie “I Wanna Dance With Somebody”, “I Have Nothing”, oder meinem absoluten Favoriten “I Will Always Love You” ihr gewaltiges Stimmvermögen, die meisten Hits mussten sich aber der Reichweite wegen mit weniger Vielfalt begnügen.
Als schließlich die Fließbandmusik von Stock Aitken Waterman Ende der 80er Jahre die Vorherrschaft in Radios und Discos übernahm, war es erstmal vorbei mit der Produktion von anspruchsvolleren Liedern.

Die Stimme von Till Lindemann, dem Sänger von Rammstein, hat ebenfalls eine sehr große Reichweite. Aber auch hier fehlt wieder die zweite Bedingung für eine Gänsehautreaktion: Der geeignete, gefühlsbetonte Song. Auch wenn ich persönlich die meisten Lieder von Rammstein mag, reicht es doch nicht aus, um die Haare im Nacken aufzurichten.

Das gleiche gilt auch für Rob Halford, für viele besser bekannt als das Gesicht von Judas Priest. Seine markannte Stimme reichte über beinahe 5 Oktaven, berühmt wurde er aber vor allem durch seine hochfrequenten “Screams”. Mir persönlich haben die Songs, in denen er seine Stimme einsetzte, nie wirklich gefallen. Daher kommt er auch nicht in die Playlist.

Selbst Tom Araya, seit 35 Jahren die charakteristische Schrei-Stimme von Slayer, hat mächtiges Potential. Aber in seiner Passion für Trash-Metal, einer Musikrichtung, die nur wenige Harcore-Fans überhaupt als Musik einstufen würden, geht es mehr darum, den Kopf vollzuhämmern als Gefühle zu erzeugen. Genau das wäre aber die Voraussetzung um für Gansehaut zu sorgen. Übrigens, ich mag Slayer, aber nur, wenn ich in der richtigen Stimmung dafür bin.

Die Darbietungen der etwas gemäßigteren Hardrocker wie Axl Rose (Guns’n’Roses, AC/DC), Stephen Tyler (Aerosmith), Ozzy Osbourne (Black Sabbath) oder David Lee Roth (Van Halen) sind eher für das breite Publikum gedacht, aber trotz einer Vielzahl an wirklich guten Stücken fehlt doch irgendwie der WOW-Effekt!
Auch bei Mariah Carey, Christina Aguilera, Amy Winehouse usw. ist eine bewundernswerte Stimme zwar vorhanden, aber um diese richtig zur Geltung zu bringen, fehlen einfach passende, mitreißende, eigenständige Songs. Meiner Meinung nach zumindest.

The World's Greatest Singers
Life, Soul & Technology

Ich bin auch der Ansicht, dass Celine Dion mit “My Heart Will Go On” aus dem Film “Titanic” nur ein One-Hit-Wonder landen konnte, den all ihre weiteren Lieder, trotz ihrer hervorragenden Stimme, nicht zu wiederholen oder gar zu überbieten vermochten.

Freddy Mercury. Bis zu seinem tragischen Tod im Jahr 1991 brachte er mit Queen mehr Number-One-Hits heraus als die meisten anderen Bands. Dennoch bewegt kein Lied so sehr wie die bereits 1975 veröffentlichte “Bohemian Rhapsody”.

Die Bee Gees erschufen über die Jahrzehnte ihres Schaffens etliche Feel-Good-Songs, die zwar für Good Vibrations sorgen, selten aber für Gänsehaut. Bei “I Started A Joke” ist das anders. Robin Gibb gelingt bei jeder Performance, dass es mir beim Refrain die Haare am ganzen Körper aufstellt.
Von diesem Song gibt es ebenfalls viele gut gemachte Coverversionen. Neben der Interpretation von Faith No More gefällt mir auch die psychodelische Variante von Becky Hanson für den Film “Suicide Squad”.

Bei Michael Jackson hat eher das 1982 veröffentlichte Thriller-Video für Gänsehaut gesorgt, als die Musik selbst. Obwohl auch er sehr viele wunderbare Songs erschuf, schaffte es keiner bisher in meine Playlist. Der Anspruch ist eben hoch!

Life, Soul & Technology
Michael Jackson – Thriller

Das Gesamtkonzept von Mike Geier, alias “Puddles Pity Party”, reicht dagegen für einen Platz in der Playlist. Seine depressive Baritonstimme in lächerlich genialer Clownsverkleidung hat bei Songs wie “Chandelier” sehr wohl Goose-Bumps-Qualitäten. Obwohl Geier bereits seit einigen Jahren performt, wurde er erst heuer durch seinen phänomenalen Auftritt bei “America Got Talent” der breiten Masse ein Begriff. Sicherlich sind seine Lieder nicht für jeden Geschmack, aber es ist schön zu sehen, dass es auch für Charaktere wie ihn Platz in der Musikwelt gibt. Der Song “Chandelier”, aufgenommen 2014 von Postmodern Jukebox, wurde bereits über 6 Millionen mal angesehen.

Ebenfalls in der Playlist von Postmodern Jukebox fand ich Morgan James, die nur in Begleitung eines Pianos eine derart beeindruckende Coverversion von “Take Me To Church” vorträgt, dass sie es mit Anhieb in die Playlist schaffte. Großartige Stimme!
Auch Haley Reinhart hat eine unglaublich vielfältige und voluminöse Stimme, aber ich konnte bisher noch keinen dieser Stimme gerecht werdenden Gänsehaut-Song finden.

Eine der für mich prägendsten Versionen von Judy Garlands “Somewhere Over The Rainbow” stammt von Israel “IZ” Kamakawiwoʻole. Dieser hawaiianische Sänger mit seiner Ukulele unter dem mächtigen Unterarm, brachte unzählige Lieder in die Welt, hauptsächlich in den Richtingen Jazz und Reggae. Obwohl er schon seit seiner Kindheit musiziert, gelang ihm erst im Alter von 34 Jahren der internationale Durchbruch. Nur 4 Jahre später erlag er leider den Folgen seiner extremen Fettleibigkeit.

Klaus Nomi, weniger bekannt unter bürgerlichem Namen Klaus Sperber, ist mit Sicherheit einer der der schillerndsten Protagonisten der 80er Jahre Popmusik. Da alle Versuche scheiterten, als Opernsänger in Deutschland Fuß zu fassen, zog es ihn mit 29 Jahren nach New York und dort wurde er schon bald eine gefragte Underground-Attraktion. Auch David Bowie fiel seine schrille Performance und das dahinter liegende Talent auf. Mit dem Auftritt als Bowie’s Backgroundsänger in der Saturday Night Live-Show gelang ihm der Durchbruch zur Popwelt.

Eine weitere unterschätzte deutsche Sängerin dieser Zeit ist Nina Hagen, die “Godmother of Punk”. Doch ihr extravaganter Lebensstil und dessen Einfluss auf ihre Musik machte es dem Publikum nicht leicht, ihren Stimmumfang von über 4 Oktaven wirklich schätzen zu können.
Es gibt meiner Meinung nach unzählige guter Lieder von ihr, in dem sie ihre Stimmenvielfalt auszuschöpfen vermag, aber keines davon konnte sich für meine Playlist qualifizieren. Missing Goose-Bumps!

Damit ereilt ihr das gleiche Schicksal wie Diamanda Galás. Ihr bewundernswertes Engagement für AIDS und Menschenrechte hatte leider in den letzten 40 Jahren ihrer Karriere nicht den Einfluss auf ihre Musik ausgeübt, das es mir “den Arsch wegreißen” würde beim Zuhören. Aber das ist wohl eher mein Problem, nicht das ihre. Immerhin ist sie ein Gesangstalent, das mit 5 Oktaven und 4 Tönen aufwarten kann. Respekt!

Eine musikalische Ausnahmeerscheinung ist auch Corey Taylor, dessen Stimme sogar noch mehr Töne, wenn auch in anderen Tonlagen, umfasst als die von Diamanda Galás. Doch genauso wie Mike Patton, der Leadsänger von Faith No More, dem sogar über 6 Oktaven zugeschrieben werden, reichte es bisher nicht, um so richtig berühmt zu werden.
Aber vielleicht ist das auch gar nicht so sehr deren Lebensziel. Mike Patton kann sich sowohl als Sänger, Songwriter, Schauspieler, Plattenproduzent und Filmmusik-Komponist behaupten und beherrscht daneben auch noch mehrere Musikinstrumente. Auch Corey Taylor ist nicht nur ein bekannter Name als Sänger, Songwriter und Schauspieler, sondern betätigt sich auch sehr erfolgreich als Schriftsteller ( Bücher von Corey Taylor )

Update: Wer es ganz genau haben möchte, HIER findet ihr eine sehr umfangreiche Aufstellung von Vocal Artists und ihrem Stimmenbereich.

Die tiefste Basstimme hat übrigens Tim Storms. Dieser eher unscheinbare Gesangskünstler ist auch im Guiness-Buch der Rekorde eingetragen, und zwar sowohl unter “lowest note produced by a human” als auch als Inhaber der “widest vocal range”. Sein Stimmumfang erstreckt sich über ein unglaubliches Spektrum von 10 Oktaven! Schade, dass ihn hierzulande so gut wie niemand kennt.

Life, Soul & Technology
Tim Storms VO

 

Da ich meine Playlist Great Voices – Gänsehaut natürlich noch ausbauen möchte, bitte ich euch um Mithilfe bei der Suche nach weiteren Gänsehaut-Songs, egal ob von vergangenen oder aktuellen Interpreten, Berühmtheiten oder (noch) Newcommer.

Update: Hier noch ein Link zum FILSH Video Converter, damit kann man einfach und kostenlos aus einem Youtube-Video eine MP3 Audiodatei erstellen und herunterladen.

Vielen Dank!

 

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