Immer Ärger mit den Lebensmittel

Stichwort: Lebensmittelunverträglichkeitstest

Heute habe ich endlich die schon lange erwarteten Ergebnisse meines Lebensmittelunverträglichkeitstests (ich finde dieses Kettenwort immer wieder geil!) erhalten. Im Englischen heißt es schlicht und einfach nur Food Intolerance Test.

Interessanterweise klagen etwa 20% der Bevölkerung – darunter auch ich – über Unwohlsein nach dem Essen, aber es fehlen entsprechende Studien, wie viele dieser Personen auch tatsächlich eine Lebensmittelunverträglichkeit entwickelt haben. Meist aus Unkenntnis der Materie, spielen viele diese Symptome herunter. Dabei ist es aber gerade die wiederholte Einnahme von unverträglichen Lebensmittel, die zu ständigen Beschwerden und Erkrankungen führen kann.

Das ist es auch, was einen guten Lebensmittelunverträglichkeitstest ausmacht: Die Unterscheidung der Unverträglichkeit auf Allergien und Intoleranzen.

Liegt eine Allergie vor, so sorgt eine über das Ziel hinausschießende IgE Immunreaktion für unmittelbare Beschwerden. In der Regel klingen diese nach kurzer Zeit wieder von selbst ab. Bei einer Intoleranz dagegen, ist der Stoffwechsel selbst gestört. IgE-Tests sind in diesem Fall für eine Diagnose ungeeignet, hier sind die IgG Antikörper gefragt.

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– Unterschied zwischen IgE- und IgG-Testverfahren

Um den Unterschied zwischen IgE- und IgG-Testverfahren zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen:

Unser Immunsystem funktioniert im Grunde wie ein Wächter, der uns vor Eindringlingen schützt. Im Falle einer Allergie heißen die Eindringlinge Allergene. Logisch. Allergie-Allergene. Zur Bekämpfung dieser Eindringlinge bedient sich das Immunsystem der sogenannten Antikörper. Das Ziel dieser kleinen Helferlein ist es, die bösen Allergene zu vernichten und aus dem Körper wieder zu entfernen.

Manchmal verwechselt das Immunsystem allerdings Lebensmittel als lästige Eindringlinge, anstatt sie als notwendige Ernährung willkommen zu heißen. (Anm.: Erinnert euch diese Schilderung jetzt auch sehr stark an die Serie “Es war einmal der Mensch”).

Im Laufe der Zeit erzeugt der Körper eine Vielzahl unterschiedlicher Antikörper gegen alles und jedes, diese bezeichnet man als Immunoglobuline.

IgE und IgG sind Abkürzungen für nur zwei (von vielen) verschiedene Arten von Antikörpern, das Immunoglobulin E und das Immunoglobulin G.

Die G-Gruppe ist insbesondere für die nachhaltige Abwehr von Viren und Bakterien zuständig, während sich die E-Gruppe als “schnelle Eingreiftruppe” bei der Bekämpfung von Parasiten und allergischen Sofortreaktionen beteiligt.

Klar soweit? Gut. Jetzt kommen wir zum praktischen Teil.

– Immunoglobulin E

Herkömmliche (günstige) Lebensmittelunverträglichkeitstest schauen nur auf die IgE Reaktionen, ähnlich wie bei Allergietests, also auf die Erstbekämpfung im Falle eines Feindkontaktes. Die Reaktionen können ganz schön heftig ausfallen und sich z.B. als geschwollene Lippen, Ausschläge, Atemschwierigkeiten, starke Blähungen, Schmerzen oder Durchfall zeigen. Dies sind auch die Reaktionen, welche üblicherweise mit Allergien in Verbindung gebracht werden.

IgE Reaktionen sind die unmittelbare Antwort auf Lebensmittel-Allergien.

Im Grunde kann jeder selbst auch ohne Labortest herausfinden, ob er auf Erdnüsse allergisch ist, wenn es unmittelbar nach deren Einnahme zu Ausschlägen oder gar Atemproblemen kommt.

Um solche Reaktionen erst gar nicht provozieren zu müssen, bringt ein IgE Test Klarheit.

– Immunoglobulin G

Bei Lebensmittel-Intoleranzen spielen die IgE Antikörper aber gar keine Rolle. Hier ist die IgG Truppe gefragt. Deren Reaktionen zeigen sich erst viel später, manchmal einige Stunden, manchmal auch erst einige Tage nachdem die Allergene in den Körper eingedrungen – sprich gegessen worden – sind.

Diese Reaktionen sind auch bei weitem nicht so spektakulär und geben sich vielleicht als lästige Verstopfung, aufgebähter Bauch oder leichter Durchfall zu erkennen. Im schlechtesten Fall kommt es aber auch zu chronischem Unwohlsein oder Erkrankungen wie etwa Entzündungen in den Gelenken. Auch der sogenannte “Brain-Fog”, eine Art geistiger Lethargie, kann durch Lebensmittel-Intoleranzen verursacht oder zumindest begünstigt werden.

– Nahrungsmittel vs. Lebensmittel

Der Duden erklärt ein Nahrungsmittel als einen, der menschlichen Ernährung dienender, roh oder zubereitet genossener Stoff. Im Gegensatz dazu ist ein Lebensmittel eine Ware zum Essen oder Trinken, die zum Bedarf des täglichen Lebens gehört.

Gut soweit. Im Grunde handelt es sich dabei also um ein und dasselbe.

Sollte jemand eine bessere Definition kennen, ich wäre sehr daran interessiert, diese zu erfahren!

Nahrungsmittel

– Lebensmittelunverträglichkeitstests

Da diese Lebensmittelunverträglichkeitstest allesamt nicht gerade günstig sind, hatte ich zuvor einige Zeit damit verbracht, die Unterschiede der am Markt verfügbaren Tests zu recherchieren.

Vor allem die günstigen Schnelltests, die in einigen Apotheken angeboten werden, sind meist reine IgE-Tests und haben außerdem nur eine Treffsicherheit von etwa 70%. Hier wird eine Blut- oder Speichelprobe von einem Computer analysiert und das Ergebnis zeigt die Möglichkeit einer eventuellen Unverträglichkeit. Der Rest muss mehr oder weniger selbst herausgefunden werden.

Ich habe mich schlussendlich für den teuren, dafür aber mit etwa 99 %-iger Genauigkeit treffsichersten Test auf 120 einzelnen Lebensmittel und Lebensmittelgruppen (wie Pilzmischung, Waldfrüchte, Meeresfrüchte) entschieden.

Hierbei wird ebenfalls eine Blutprobe mit einem kleinen Stich aus der Fingerkuppe entnommen, ähnlich wie bei einem Blutzuckertest, und in ein Labor zur detaillierten Auswertung der IgG Reaktionen eingeschickt.

In meinem Fall hat es zwei Wochen gedauert, bis ich den detaillierten Bericht in Händen hatte (wenn man das so beim Erhalt einer Email nennen kann).

– Leichte oder mäßige Unverträglichkeiten

Auf einige wenige Nahrungsmittel zeigte der Test mäßige oder nur ganz leichte Abwehrreaktionen. Hier kann ich allerdings wieder eine Verträglichkeit aufbauen, indem ich zunächst mal ein bis zwei Monate, je nach Stufe leicht oder mittel, diese Nahrungsmittel komplett vermeide. Danach einen Monat lang diese betreffenden Lebensmittel alle zwei Wochen in kleinen Mengen konsumieren. Im darauffolgenden Monat können diese Nahrungsmittel einmal in der Woche auf dem Teller landen. Mit dieser Vorgehensweise, also der niedrig dosierten Zuführung, wird dem Körper die Möglichkeit gegeben, sich auf diese Nahrungsmittel einzustellen, sie als Freunde zu gewinnen und sie danach wieder weiter verarbeiten und verdauen zu können.

– Starke Unverträglichkeit

Meine einzig wirklich hochgradige Intoleranz habe ich auf Weizen.

OK, dachte ich, das klingt jetzt erst einmal relativ unspektakulär; dann lass ich eben das weiße Brot weg.

Weizenbrot
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Aber ganz so einfach ist das leider doch nicht, denn es geht dabei nicht nur um den Weizen selbst, sondern auch um alle davon abgeleiteten Derivate. Dazu gehören neben Weizenmehl auch Weizenstärke (also minderwertige Kohlehydrate), und die sind in sehr vielen Speisen enthalten. Für’s erste bedeutet dies ein Aus für Pizza, Pasta, Kuchen, Weizenbrot, Cracker, Fertigmüslis und Speiseeis. Aber es gibt auch genügend Alternativen dazu: Reis, Reisnudeln, Dinkelbrot, Mandelmehl, Haferflocken usw.

– Turbo-Weizen

Die Zahl der Menschen, die selbst im fortgeschrittenen Alter plötzlich eine Unverträglichkeit (nicht zu verwechseln mit der Erkrankung Zöliakie) auf das Klebe-Eiweiß Gluten entwickeln, steigt Besorgnis erregend. Gluten ist generell in allen Getreidesorten enthalten, aber als mögliche Ursache wird vor allem der “Turbo-Weizen” vermutet. Diese genetisch manipulierten Weizensorten werden immer häufiger verwendet, da sie auf Grund des beschleunigten Wachstums schneller produziert und damit auch billiger angeboten werden können. Der menschliche Organismus verträgt evolutionsbedingt Getreide generell eher schlecht als recht. Selbst das gesunde Vollkorn wird von vielen Personen schlecht vertragen. Und diese stark von der ursprünglichen, natürlichen Zusammensetzung entfernten Sorten noch weniger.

– Histaminintoleranz

Der Organismus kann aber auch eine sogenannte Histaminintoleranz entwickeln.

Histamin enthalten alle Lebensmittel, die durch lange Reifungsprozesse entstehen. Dazu gehören z.B. hart gereifter Käse, geräucherter Schinken, Fischkonserven oder Rotwein. Wenn der Körper nicht über die geeigneten Enzyme verfügt, um diese Histamine gut verdauen zu können, entstehen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, aber auch Hustenreiz und Schnupfen. Histaminhaltige Lebensmittel sind auch als Auslöser für Migräne-Attacken bekannt.

Da ich selbst hin und wieder unter Migräne mit Aura leide, habe ich mich mit den bekannten Triggern, also den Auslösern für Anfälle, auseinander gesetzt. Aber dazu werde ich demnächst mal einen eigenen, umfangreichen Bericht schreiben.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache:

Da ich weder Arzt noch Laborant und auch kein Ernährungsberater bin, ist dieser Text nur rein informativ zu verstehen und ersetzt nicht die Beratung und Betreuung durch einen Facharzt oder einem fachlich ausgebildeten Experten. Vor allem bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen ist ein einschlägiger Professionist aufzusuchen.

Vielen Dank!

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